Bevor ein Spiel gespielt werden kann, sollte zuerst die Anleitung gelesen werden. Wenn man nicht das Glück hat, das einer einem das Spiel erklärt, so quält man sich auch im Jahr 32der Jury immer noch durch Anleitungen die bei weitem nicht so viel Entwicklungen mitmachen, wie sie müssten um mit der Qualität der Spiele mitzuhalten.
Aber selbst der Erklärer kann etwas falsch gelesen haben. Deswegen ist es bei uns ab und zu üblich nach einem Spiel nochmal die Ganze Anleitung zu lesen, bevorzugt von einem, der sie vorher nicht gelesen hat um nichts zu übersehen.
Die Anleitung zu Schwarzer Freitag - als Extremes Beispiel - habe ich selber dreimal gelesen, auch während des Spiels, und trotzdem nicht alles auf Anhieb richtig verstanden. Die Anleitung zu Ab die Post hat selbst nach dem vierten Lesen zu Tage gefördert, dass wir den einen Mechanismus schon in der dritte Variante Falsch spielen. Funktioniert hat es aber trotzdem.
Nun frage ich mich, ob dass ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, wenn ein Spiel auch wenn es falsch gespielt wird gut funktioniert. Klingt es doch erst mal beruhigend, wenn es trotzdem Spaß gemacht hat. Den ersten Abend 7 Wonders haben wir den Fehler gemacht, dass wir übersehen haben das keine Karte vom selben Spieler zweimal gespielt werden darf. Gerade die grünen und blauen Karten waren auf einmal nicht mehr so stark. Aber funktioniert hatte es trotzdem und Spaß hatten wir allemal.
Manche Spiele wollen auch erst nicht abheben und erst die Klärung einer Regelunklarheit ist das nötige Schmiermittel um das Spiel auf einmal funktionieren zu lassen.
Aber dann ist mir auf dem Spielefest hier in Berlin etwas passiert, was ich vorher nie erlebt hatte, weil ich nie mit solchen Spielern bisher in Berührung kam. Einer wollte während des Spiels immer wieder die Regeln ändern, weil er es anders cooler fand. Ist ihm halt so eingefallen. Zumindest haben die anderen beiden mir zugestimmt, es doch wenigstens einmal mit den richtigen Regeln durchzuspielen, um es kennenzulernen, wie der Autor sich das gedacht hatte. Dem Spieler war es sogar zu lästig bei einer Regelfrage nachzulesen oder eine Antwort abzuwarten, sondern sagte gleich, lasst es uns einfach so oder so machen.
Nun mag man dazu stehen wie jeder möchte. Viele der kleinen Erweiterungen, welche in der Spielbox liegen oder auf der Messe verteilt werden sind eigentlich aber nichts anderes. Der Gedanke, einfach etwas zu ändern und zu sehen wie das funktioniert. Selbst bei Risk 2210 AD machen wir selber nicht anderes, womit, dass Spiel auch nach vielen Jahren immer noch einen hohen Reiz behält.
Aber an sich bin ich eher skeptisch. Das hängt oft damit zusammen, dass ich vielen Leuten einfach nicht zutraue, solche Regeländerungen richtig einzupflegen, ohne dass die Spielbalance darunter leidet. Ja selbst mir traue ich das nicht richtig zu.
Und so sitze ich an einem Mittwoch in England und als Agricola ausgepackt wird, erzählt mir einer, welche vier Karten sie aussortiert wollen, weil die zu stark sind, welche drei Karten ein Errata von ihnen erhalten haben und das keiner ein drittes Familienmitglied in den ersten vier Runden haben darf. Hausregeln for the win. Nun ist keine der sieben Karten aufgetaucht und auch der Liebhaber lies sich nicht blicken, so dass die Regeln wohl nicht wichtig waren, zumindest nicht in der Partie. Aber muss das sein?
Manche Spiele überleben es, wenn ihre Regeln geändert werden, wie es die Runde Agricola tat. Manche brauchen es auch um überhaupt erst zu funktionieren, wobei hier die Frage gegönnt sei, ob das Spiel es dann am Anfang überhaupt wert war. Manche werden tatsächlich besser oder einfach nur anders, aber dies sind offene Spiele. Ein Ursuppe überlebt einen Satz neuer Gene, ein Agricola einen Satz neuer Ausbildungen, ein Carcassonne einen Satz neuer Plättchen mit Sonderregeln und Catan ein neues Brett mit zwei Seiten Sonderregeln. Aber das sind die Ausnahmen.
Die Autoren sollen das machen. Die sollen diese Gedanken vorantreiben, weil am Ende ein neues Spiel rauskommen kann. So wird Le Havre von einigen auch nur als ein abgewandeltes Agricola verstanden. Jeder soll gerne Autor sein, oder sich wie einer fühlen, aber wenn ich mich mit Leuten hinsetze und es ist kein Testspiel, dann möchte ich nicht erst die Regeln umlernen, dafür gab es sie schon vorher, und sie machten das Spiel zu dem was es ist. Gut und spielbar, oder es blieb im Regal.
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