Eine große Neuigkeit gestern war das Dungeons and Dragons, der Urvater aller Rollenspiele nächstes Jahr in der fünften Auflage kommen soll. Damit noch nicht genug, wird es einen offenen Playtest geben der über 18 Monate hinweg dafür sorgen soll, dass jeder mitreden kann und das fertige Produkt dem entspricht, was die Spieler wollen. Die Spieler sollen in einem zersplitterten Markt wieder zusammengeführt werden. Ich glaube das wird scheitern, aber ich hoffe ich irre mich.
Was bringt mich zu diesem Schluss?
Da wäre als erstes die große Debatte um die Unterschiede zwischen Fluff und Crunch. Was eigentlich für Erdnussbutter gilt, welche mal nur cremig ist oder anderseits auch Nusstücke enthalten kann, unterscheidet beim Rollenspiel das Rollenspielmaterial mit Hintergrund und soften themaerzeugenden Texten und auf der anderen Seite harte Regeln, welche das Speil erweitern. Bei uns Brettspielern ist das immer der Streit zwischen Thema und Mechanismus. Beides kann funktionieren, aber die meisten sehr guten Spiele können beides bieten.
Merkwürdigerweise können sich viele Rollenspieler, zumindest die Lautstarken in den Foren nicht vorstellen, dass es auch mit einer Mischung geht. In ihren Augen ist das nicht wirklich drin und es gibt nur Schwarz und Weiß. Die Verfechter der alten 3.0- und 3.5-Regeln von D&D sagen, dass die Fluffmenge hervorragend ist und das 4E einfach nur eine mechanische seelenlose Bestie ist, die ignoriert gehört.
Ich gehöre eher zu den Verfechtern von 4E, weil die Regeln das erste Mal ausbalanciert sind. Ich finde es grausam zu sehen, das ein Level-20-Magier unter 3.5 in etwa doppelt so stark ist wie ein Level-20-Kämpfer und das es daher keine vernünftigen Gründe für das Spielen des Kämpfers gibt. Unter 4E sind die Klassen tatsächlich alle ausreichend gleich stark, so dass jeder seinen Teil beitragen kann. Die Hintergrundwelt auf der anderen Seite ist immer noch dieselbe und kann genauso gespielt werden, wie unter 3.5. Warum sollte sich das auch ändern?
Das tolle ist sogar, dass 4E versucht kampffreie Kämpfe zu bieten. Skill-Challenges sind ein Teil jedes Abenteuers und bieten einen Rahmen wie Begegnungen auch anders gelöst werden können und trotzdem gerecht belohnt werden, ohne dass Kämpfe nötig sind.
Aber etwas anderes ist in meinen Augen an dem Vermutlich schnellen Ende von 4E und der Zersplitterung des Marktes Schuld: Die OGL.
OGL steht für Open Gaming License. Was man eher von Systementwicklern kennt und dem berühmten Linux-Systemen, wo die Leute Open Software machen und jeder daran weiterarbeiten kann, hatte Wizard of the Coast (WotC), Eigentümer der Marke D&D in einem einzigartigen Schritt im Jahre 2000 auf ihr Rollenspielsystem umgemünzt. Dabei gibt es neben der eigentlichen OGL noch d20 und die SRD. d20 bietet dabei den inneren Kern des D2D Systems und kann von allen verwendet werden ohne wegen Kopierens rangenommen zu werden. Die SRD stellt dabei die Schnittstelle zur Verfügung und definiert viele Elemente des Spiel und macht das aus was D&D ist. Es sind die System Refrence Documents.
Viele Worte und etwas undurchsichtig auf den ersten Blick. Aber dieses System hat genau das getan, was auch tun sollte. Es hat es allen da draußen ermöglicht Bücher und Abenteuer und ähnliches rauszubringen, welche voll kompatibel waren mit dem neuen System, der Third Edition, die 2000 rauskam. Die Spieler mussten nicht warten, was WotC selber rausbringt, sondern konnten von Tag 1 auf auch andere Veröffentlichungen zugreifen. Und die Menge an Kreativität der Spieler wurde freigesetzt und jeder konnte sich verdingen und den Markt frei mit seinen Ideen bereichern.
Und genau das geschah. Rollenspiel wuchs in ungeahnte Größen. D&D dominierte den Markt wie kaum etwas anderes. Viele Firmen wurden geschaffen, wurden richtig groß und konnten sich als große Marktmitmacher aufstellen. Es wurden Jobs geschaffen und der Hobby-Markt blühte. Andere Spielesysteme litten etwas darunter. In erster Linie aber weil ihre Marktanteile kleiner wurden und nicht weil ihre Spieler wegbrachen.
Bei 4E hat WotC aber einen Cut gemacht. 4E ist nicht unter der OGL veröffentlicht worden, sondern unter der neuen GSL. Dies ist eine neue Game-System-License, welche WotC die Kontrolle über ihre Marke erhalten lässt. Wer für 4E etwas rausbringen wollte, musst einen Knebelvertrag nutzen, welcher ihn so schlecht stellte, das die Firmen sich gefühlt an den Teufel und sein Gutdünken verkauften. Der Markt wurde abgeschottet.
Die anderen Firmen reagierten, wie es am meisten Sinn machte. Sie blieben bei 3.5 stehen und arbeiteten daran weiter. All das kompatible Material von 8 Jahren konnte weiterverwendet werden, die Investitionen der Spieler waren weiter nutzbar, und mit Pathfinder von Paizo, welche unter 3.0 und 3.5 für WotC die Zeitschriften machten, erstellten effektiv ein 4.0, wie es sich die Fans wünschten. Und alle Firmen waren weiterhin im Boot. Pathfinder ist die Nummer 2 auf dem amerikanischen Rollenspielmarkt allein auf Grund dieser Tatsache.
Solange WotC also nicht wieder auf die OGL zurückspringt und ihre neue 5E wieder für alle anbietet, wird die neue Version auch ihre Fans haben, aber ihr Ziel den Markt wieder zu vereinen wird scheitern.
Ich könnte jetzt noch zum Urheberrecht reden, welches in Amerika und gerade auch für Rollenspiele gefühlt anders gehandhabt wird als hier in Europa und für Brettspiele, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.
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