Es machen echt viele einen Messerückblick. Einige glauben, dass daher keiner mehr nötig wäre, andere sind sich sicher dass er nur anders aussehen muss. Also bringe ich meinen eigenen Rückblick. Und zwar wirklich erst nach der Messe und nicht schon während.
Einen ersten Einblick auf eine Meinung hatte ich am Freitag früh aus dem Autoradio des WDR2. Die haben zwei Kinder auf die Messe geschickt, welche in einem kurzen Beitrag etwas Feedback geben sollten. Der Sinn war natürlich ein bisschen auch für die Messe Werbung zu machen, schließlich sollten noch Interessierte auf die Messe gelockt werden. Oder nicht?
Die zwei Kinder waren als erstes am Stand von Repos und ihrem genialen Spiel 7Wonders. Auf die Aussage des Erklärers es dauert etwa 30 Minuten, sagen die Kinder doch glatt: “Das dauert uns zu lange!” Nun fallen damit doch glatt 95%+ aller Spiele der Messe weg. Nur die wenigsten sind so schnell gespielt und für mich ein Zeichen gewesen doch mir einen Blick auf das Spiel zu holen. Sind unsere Kinder schon so weit, das 30 Minuten zu lange dauert?
Das nächste was mich genervt hat war ein Beitrag vom ZDF (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1171648/Trends-von-der-Essener-Spiele-Messe) welcher einen Blick auf Dinge wie Mind Flex wirft, welches in meinen Augen nicht wirklich ein Spiel sondern eher Spielzeug ist, aber natürlich für die Medien ein gefundenes Ding, gerade mit der Zielgruppe der neugierigen Volle-Kanne-Zuschauer.
Aber am Ende gibt die nicht-Spielende Moderatorin ein Fazit: “Wenig Revolutionäres und eine unglaubliche Vielfalt von Spielen die man schon kennt.” Als Nichtspieler kommt da ein eindeutiges “unwichtig und weitergehen” rüber. Als Spieler schüttel ich den Kopf, weil mir unklar ist worauf dieses Fazit beruht.
Ich schaffe es nicht in zwei Tagen mir ein komplettes Bild von allen Spielen zu machen und werde in Ruhe eine Nachlese bilden lassen, aber mein erster Eindruck am Donnerstag war ein anderer als am Freitag und ein anderer als ich am Samstag noch mehr gelesen und mich mit meinen Spielen beschäftigt hatte.
Zusätzlich wird die Spiel auch immer Internationaler. Fast die Hälfte der Aussteller kamen nicht aus Deutschland und auch die Besucher habe ich nicht nur in Deutsch, Englisch oder Niederländisch sprechen hören. Und gerade hier entwickelt ja die Spiel ihren waren Reiz für einen Spieler wie mich. Die Neuheiten von Kosmos, Ravensburger, Schmidt und Amigo kann ich jederzeit im Handel erwerben und mich das Ganze Jahr daran erfreuen. Aber was so mancher Kleinverlag aus dem Ausland gebastelt hat würde ich wohl sonst nie wieder sehen können.
Und die Qualität dessen was die Kleinverlage, sowohl in der Ausstattung als auch im Spielwert, rausbringen hat sich jahrelang verbessert und ist inzwischen so hoch dass ein Blick über die gesamte Messe nötig ist. Etwas offensichtlicher hatte es Marcel-André Casasola Merkle in Twitter formuliert: “Fazit #Spiel10: Früher hat man Kleinverlage an der miesen Grafik erkannt, mittlerweile daran, dass ihre Spiele meist viel hübscher sind.” (http://twitter.com/#!/zeitweise/status/28622429006)
Und wie im Internet ist es auch auf der Spiel nötig bei größer werdender Fülle bessere Filter zu bekommen. Was früher noch über Mundpropaganda möglich war benötigt inzwischen nur auf Grund der Flut und der mangelnden Zeit andere Möglichkeiten. Der älteste Filter ist die Scout-Aktion der Fairplay (http://fairplay-online.blogspot.com/2010/10/fairplay-scoutaktion-2010-die.html) Diese hilft einem ab Donnerstagabend mit einer Vorauswahl. Und wenn man schon in der Nähe eines der genannten Spiel ist werden dann noch mehr Stände in der Umgebung angesehen. Weitere Filter sind nur eine Frage der Zeit, aber bestimmt nicht unerlässlich.
Einen Verlag wie Perl Games in Halle vier hätte ich alleine bestimmt übersehen. So bin ich froh noch ein Troyes abbekommen zu haben bevor es ausverkauft war. Natürlich wird es auch nach der Messe noch zu bekommen sein, aber darum muss ich mich nicht mehr kümmern.
Wenig Revolutionäres sagt die Frau vom ZDF. Eine Revolution muss es am Ende aber auch nicht sein. Der schleichende Prozess zu mehr Verlagen mit hoher Qualität ist für mich schon völlig ausreichend und viel gesünder als ein Boom. Es zeigt, dass es für Spieler jeder Art in die richtige Richtung geht. Die kleinen Verlage erringen auch dank des Internets nun mehr Möglichkeiten und diese werden noch besser mit passenden Filtern. Die Meldungen, welche Spiele am Ende alles ausverkauft waren ist auch gewachsen und damit auch ein Plus das mehr wert ist, als Aussteller und Besucherzahlen je vermitteln können.
Es wird besser und eine Revolution somit unnötig. Ich freue mich schon jetzt auf die Spiel’11.
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