Einmal Göttingen und zurück. Wobei eigentlich war es zweimal Göttingen. Durch die Doppelveranstaltung hat sich die Reise doppelt gelohnt. Am Ende bin ich sehr erschöpft froh zuhause zu sein und gleich ins Bett zu fallen. Nun noch kurz einen Rückblick auf das Spieleautorentreffen.
Im Vergleich zum Vorjahr waren deutlich mehr Autoren da. Manche bekannten Vertreter, welche ich letztes Jahr noch antraf waren dieses Jahr nicht dabei, dafür waren andere gekommen. Und die Zahl hat zugenommen. Gefühlt war es am Samstag deutlich voller als noch letztes Jahr. Auch die Zahl der Redakteure war deutlich höher als letztes Jahr. Vor allem waren neben allen Verlagen die schon seit Donnerstag da sind, auch noch weitere da, welche in den letzten zwei Tagen keine Zeit hatten, aber wegen dem Auffinden von neuen Spielen trotzdem gekommen sind.
Vor allem aber war das was ich mir angeschaut hatte, deutlich spannender als das vom letzten Jahr. Sich in Göttingen zurechtzufinden war letztes Jahr noch schwer für mich. Dieses Jahr war ich viel offener und habe mich einfach an die Tische drangesetzt und direkt gefragt. Ich wusste genauer was ich suche und wie ich es beschreiben sollte. Das war ein super Gefühl, weil ich viel offener mit allem umgehen konnte und so auch viel interessantere Spiele sehen konnte. Bei drei Autoren habe ich eine Karte hinterlassen und hoffe auf positive weitere Tests.
Natürlich war der Rahmen erneut gelungen. Der Vertreter der Stadt hat eine sehr schöne Rede gehalten, welche für mich besser war als die vom Bürgermeister letztes Jahr. Auch einen Glückwunsch auf diesem Wege an den Merz-Verlag für den Inno-Spatz.
Und für alle Autoren da draußen die sich nicht sicher sind, ob sie kommen sollen. Kommt. Es ist die beste Möglichkeit viele andere Autoren kennenzulernen und sich auszutauschen.
Auch das Autorenstipendium welches jedes Jahr im Rahmen der Veranstaltung vergeben wird war schön zu sehen. Nächstes Jahr will ich mir die Nominierten auch mit ihren Spielen genauer ansehen. Ein Blick auf die Gewinner der letzten 17 Jahre zeigt etliche inzwischen bekannte Autoren mit inzwischen klasse Veröffentlichungen. Einen Vorgeschmack hier zu bekommen kann nicht schaden.
Für mich das schönste waren aber die Spieleabende jeden Abend im Hotel. Ich habe jeden Abend einen Prototyp gespielt, welcher in Essen kommen wird und alle haben mir Spaß gemacht. Zusätzlich habe ich ein paar veröffentlichte Spiele gespielt. Vor allem leichte Würfelspiele wie der große Wurf.
Aber auch Kingdom Builder wurde am laufenden Band gespielt. Von den meisten um den Nominierten kennenzulernen. Die Diskussionen waren immer deutlich, weil der Reiz des Spiels erst nach ein paar Spielen kommt. Können die Familien dies machen? Wäre es besser gewesen für die erste runde eine Startaufstellung vorzugeben? Ich bin froh nicht in der Haut der Jury zu sitzen und dies am 8. Juli entscheiden zu müssen.
Reinhard Staupe
???
Ravensburger, 1997
2-5 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/7985
Ein einfaches Kartenspiel, welches sich mehr mit hoffen als spielen zu tun hat. Die Spieler müssen halt einschätzen wann sie die Karten einer Art spielen bevor eine Fiasko-Karte kommt, welche einen dazu zwingt die Hand abzuwerfen.
Denn eigentlich tut man nicht viel. Karte ziehen oder Karten ausspielen. Ein bisschen wie bei Zooloretto wobei dieses Spiel älter ist. Nachvollziehbar sind noch die Fiasko-Karten, welche einen die Hand kosten und die Entscheidung erst generieren. Dumm sind aber die Ätsch-Karten, die allen Spielern die Karten von der Hand nehmen.
Ohne wäre es vielleicht auch langweilig aber so kommt auch nicht wirklich Stimmung auf. Ein einfaches Kartenspiel, welches in der richtigen Gruppe bestimmt zündet, bei uns aber auf voller Linie durchgefallen ist. Der Staupe hat aber genug bessere Alternativen.

Das Redakteursseminar ist vorbei und ich bin wieder geistig ganz schön dicht. Viele Informationen sind auf mich eingeströmt und die Vorträge und Workshops wollen verarbeitet werden. Aber unter Strich hat es sich schon jetzt gelohnt.
Vom Ablauf her war es der Spieleautorentagung in März nicht unähnlich und doch war etwas anders. Alleine die Tatsache das es nicht drei lange Tage waren sondern nur zwei mit-einem-bisschen-Luft-zum-Atmen-Tage durch viele Pausen machte es leichter um das ganze aufgenommene auch eher zu verarbeiten bevor das nächste auf einen Einprasselte. Zusätzlich waren hier auch nur halb so viele Teilnehmer wie in Weilburg, so dass es auch nicht ganz so voll war in den Workshops.
Die Vorträge waren alle beeindruckend. Tom Felber erzählte über Spielanleitungssünden und zeigte auch zu jedem Punkt eine Anleitung rum, welche alle noch keine 2 Jahre alt waren. Der Schwerpunkt wie dieses Redakteursseminar vor sieben Jahren angefangen hat, war die Verbesserung der Anleitungen. Bessere Anleitungen sollten allen Verlagen zu gute kommen, weil die Spiele attraktiver werden. Zusammengefasst ist es aber selbst heute immer noch ein weiter Weg.
Es waren auch ein paar Gäste aus Südkorea da, welche von dem aufgezogenen Boom der Deutschen Spiele in ihrem Land erzählten. Hier war es interessant einen Eindruck von deren Markt zu bekommen. Ein anderer beschäftigte sich mit rechtlichen Aspekten.
Für mich war die Veranstaltung eine wundervolle Zeit, weil ich einiges mitgenommen habe und auch selber in meine Umsetzungen fließen lassen kann. Ich freue mich nun auf morgen wo das Spieleautorentreffen stattfindet und ich mir hoffentlich viele schöne Spiele anschauen werden kann.
Zum Glück ist es immer wieder einfach das Spiel des Monats zu bestimmen, da es ja immer einen Liebling gibt unter all den Spielen, das am häufigsten in einem Monat auf den Tisch kommt.
Mein Preisträger im Mai ist Flash Point Fire Rescue

Dieses Spiel mag in seiner Herausforderung nicht abbrechen. Durch die eingebauten Schwierigkeitsstufen, die zwei sich sehr verschieden spielende Bretter und durch die Vielzahl an Rollen fordern auf alle Kombinationen zu testen und wo viel geprüft werden will wird viel erlebt. Und es fühlt sich an wie echt. Wir rennen ins Feuer um Leute zu retten und Feuer einzudämmen. Wir sind fehl geleitet weil keine da ist wo wir ihn vermuten oder retten einfach eine Katze.
Wer von Pandemie nicht genug bekommen kann sollte hier gleich weitermachen und seine Sucht nach coolen thematischen kooperativen Spielen nachgeben und seine Sammlung um diese Perle erweitern.
Hier der Link zum Originalartikel:
http://darkpact.tumblr.com/post/22661208137/flash-point-fire-rescue
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Alan R. Moon, Richard Borg
Franz Vohwinkel
Goldsieber, 2000
3-5 Vielspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/10464
Und es begab sich zu der Zeit um die Jahrtausendwende wo jeder Verlag einen Moon in seinem Angebot haben musste, da der Autor von Elfenland jedem Verlag Glück bringen sollte. Natürlich wurde da deutlich mehr genommen als es einem Autor gut tun kann und so sind auch Graupen veröffentlich worden, welche echt gut sein könnten, wenn etwas mehr Zeit in diese Spiele geflossen wären.
Wongar ist so ein Vertreter, der sich viel zu umständlich spielt und deswegen auch mehr Zeit verschlingt als nötig. Das schöne Material und der hohe Aufforderungscharakter sind ein eindeutiges Plus, aber leider ist eine Spielzeit von mindestens 2 Stunden Minimum mit vielen Regelkleinigkeiten einfach zu viel. In der Theorie ist das nichts schlimmes in der Praxis aber für ein Familienspiel zu viel.
Wongar wäre ein Spiel, welches es auch verdient hätte vom Autor und einem eifrigen Redakteur mal überarbeitet zu werden und mit einem ansprechenden neuen Thema wieder auf den Markt geworfen zu werden. In der vorliegenden Form spielt es sich noch wie ein Prototyp. Oder ich erwarte von den Spielen heute einfach mehr als ich dies noch vor 10 Jahren getan hatte.

Murray Heasman
-
The Real Original Games, 1999
2 oder 4 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/10064
Heutzutage würde ich dieses Spiel nicht mal anfassen. Damit will ich diese Kategorie von Spielen nicht schlecht machen, aber abstrakte 2-Personen-Spiele sind mir gerade eher zu öde. Aber es gab die Zeit wo ich dank Gipf und Zertz und Yinsh viel Freude an diesen Spielen hatte. Dummerweise ist dieses Spiel im Vergleich zu diesen Highlights immer noch nicht gut.
Die Spieler legen ihre Könige auf Felder und bringen die ersten Schleifen ins Spiel. Sobald eine bestimmte Anzahl an Schleifen auf dem Feld ist werden diese nun stückweise verbunden. Ziel ist es möglichst viele zu verbinden um so wenig Schleifen wie nur möglich auf dem Spielfeld zu haben.
Es sieht irgendwie halt toll aus wenn sich durch das Legen von Teilen Schleifen auf dem Spielfeld bilden. Optisch ist das ein Genuss. Spielerisch ist es eher mau. Es wirkt bei der ersten Partie noch als würden viele strategische Entscheidungen zu treffen sein. Nach einigen Partien ist aber die Luft raus.
Dem Verlag war das vielleicht bewusst und hat deswegen gleich Varianten mit in die Anleitung gepackt. Immer ein Zeichen, dass es sich eher um ein Spiel handelt wo ich lieber die Finger von lasse.

Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke, Martin Osteroth
Franz Vohwinkel
Queen, 1999
3-6 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/9461
Ein Stichspiel, wo die Mücken die Farbe ändern können. „Wortspiele für 300“ fällt einem da ein und lässt einen auf ein witziges Stichspiel freuen. Die Freude hält nur bedingt, weil die Erwartungen doch eher andere sind als das Spiel sie liefern kann.
Das Spiel lebt von der Schadenfreude, anderen die Punkte wegnehmen zu können. Sowohl während des Ausspielens der Karten als auch während der Wertung am Ende. Spieler die alles mitzählen können sind deutlich im Vorteil beim Spielen haben aber keine Garantie auch die Wertung am Ende zu bestimmen. Denn wer die meisten Mücken hat darf eine Farbe nullen.
Durch das ändern der Trumpffarbe während des Ausspielens kommt natürlich ein gewisses Chaos auf. Mit Seltenspielern die einfach nur Spaß haben wollen, kann man hier wunderbar Spaß haben. Die Wertung am Ende überfordert diese aber wieder.
Und so haben wir hier ein durchschnittliches Spiel, das weder herausragt noch viel zum dem Genre beiträgt. Alles Argumente auf das Spiel zu verzichten. Das Spiel ist solide aber nicht solide genug.

Sid Sackson
???
Schmidt, 1991
3-7 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/6332
Es gab sie eigentlich schon sehr früh die Deduktionsspiele, welche mit einfachen Aufgabenstellungen die Spieler gegeneinander Aufhetzen. Wer am besten kombinieren kann ist halt im Vorteil. Genau wie bei Cluedo können das halt manche Spieler besser als andere. Nur hier konzentriert sich das Spiel auf diesen Aspekt und ignoriert den gesamten Rest des sinnlosen Würfelns und Laufens von Cluedo.
Das Thema musste natürlich auch weichen und die eigentliche Aufgabe etwas schwieriger werden, da nun auch nur nach einem Element gefragt werden kann. Es kann halt nicht frei gefragt werden, sondern Fragekarten geben einem dies vor. Dies fügt dem Spiel eine zusätzliche Note ein die dafür sorgt, dass die bisher angesprochene Zielgruppe sich noch mehr gefordert fühlt. Das die Diamantenkarten dabei eher wie eine Satz Set-Karten aussehen sorgt für genug Herausforderung.
Sofern alle am Tisch Spaß an deduktiven Aufgaben haben ist dieses Spiel perfekt. Sollte es nur ein Teil der Spieler sein, dann lieber die Finger davon lassen. Aber für Fans ist dieses Spiel einfach himmlisch und durch die Fragekarten ist der Reiz auf demselben Level wie Code 777. Wer das also mag, sollte hier auch zuschlagen.

Adrian Inauen
???
Inauen-Verlag
2-6 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/9048
Die Idee die Nahrungskette in eine Spiel zu verwandeln ist eigentlich nicht doof. Die Umsetzung darf dann aber doch als gescheitert betrachtet werden. Denn neben dem edukativen Aspekt ist es ja auch immer wichtig, dass ein Spiel auch spielerisch Spaß machen muss.
Die Spieler legen zunächst ihre Karten verdeckt in ein paar Reihen ab. Anschließend wird verglichen ob sie auf gleicher Höhe agieren oder ob der eine den anderen auffrisst. Und mehr passiert in diesem Spiel nicht.
Da die Spieler die Karten verdeckt legen sind sie entweder völlig am Blind rätseln oder durch ihre Position am absprechen wo sie ihre Karten legen beides ist ein Spannungskiller und sorgt für Frust oder Langeweile. Die Idee die Nahrungskette in ein Spiel zu packen ist nett, dies aber auf solche Weise versauern zu lassen eher enttäuschend.

Das ist zumindest das Thema dass ich mir momentan am häufigsten anhören muss. Ich hätte zu viel Stress. Zumindest von der ungesunden Sorte. Das kann ich sogar zum Teil nachvollziehen. Aber in Wahrheit brauche ich meinen Stress, zumindest den Guten. Ich muss nur noch rausbekommen wann es kippt.
Mit Spielen lassen sich auch solche Unterteilungen machen. Glück zum Beispiel. Kniffel ist gutes Glück, ich habe das Gefühl das Spiel zu kontrollieren, obwohl es doch nur auf den Würfelwurf ankommt. Exxxtra oder King of Tokyo ist auch gutes Glück, weil es die ganze Zeit Spaß bringt und alle mitfiebern und mitlachen.
Das Glück bei Fortune and Glory ist eher schlechtes. Völlig falsche Aufgaben zu ziehen kann einen Rundenlang zusehen lassen oder schlimmer noch jegliche Chance nehmen noch was zu reißen. Bei Age of Renaissance ist es mir passiert, dass ich mal in der ersten Runde durch eine Karte von einem Spieler in dessen ersten Zug so gut wie ausgelöscht war. Das Spiel war für mich gelaufen und ich durfte 200 Minuten zusehen. Schlechtes Glück.
Ich kann die Leute verstehen, die einen gewissen Grad an Glück brauchen, weil sie bei Spielen komplett ohne Glück gegen alle einfach verlieren. Ich verstehe auch, dass bei manchen Spielen die Spieler es durchrechnen können, was die besten Züge sind, was den Hassern von Grüblern das Spiel verschlägt. Das zu balancieren kann nur ausreichendes testen zeigen.
Auch Interaktion kann gut oder schlecht sein. Bei Spielen wie Werwölfe von Düsterwald oder auch Hanabi haben wir eine gute Interaktion. Die Spieler sind alle beteiligt und wissen um ihre Rollen. Jeder kann aber selbstbestimmt handeln. Die Karte Besessenheit aus Dominion – Alchemisten wiederum ist schlechte Interaktion. Ich treffe Entscheidungen für andere Spieler und diese fühlen sich gespielt. Keine gute Erinnerung für die Spieler.
Solche Stellenschrauben passieren bei vielen Spielen unbewusst. Es wird selten geplannt eine gewisse Menge von Glück oder Interaktion zu haben. Aber viele Tests mit möglichst verschiedenen Gruppen sollten Unzulänglichkeiten zu Tage fördern. An der Stelle muss halt angesetzt werden.
Murray J. Goeld, James R. Longacre
-
spielbrett, 1991
2 Familienspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/763
Ich hatte vor vielen Jahren noch keinen ausgeprägten Spielegeschmack. Und damit meine ich nicht, dass ich heute alles besser weiß, sondern dass ich früher noch gar nicht wusste was ich überhaupt mag. Also wurde alles gespielt was der Spieleladen hergibt. Heutzutage interessieren mich abstrakte 2-Personenspiele sehr wenig, nicht weil sie nicht gut sein mögen, sondern weil sie keinen Impuls in mir auslösen sie spielen zu wollen.
In Berlin gab es halt schon damals mit dem Spielbrett einen tollen Laden wo Spiele ausprobiert werden konnten und Sachen getestet werden. Der Laden fing sogar an ein bisschen in das Verlagswesen vorzustoßen mit Abalone und auch Pyramis. Und Pyramis ist mit seiner großen Pyramide und seiner Riesenschachtel sehr beeindruckend.
Das Spiel selber ist einfach gespielt. Wir legen abwechselnd Plättchen und versuchen dabei fünf sich berührende Plättchen zu legen. Der Clou ist, halt des es auch um die Ecke der Pyramide gehen darf.
Heutzutage würde ich darüber nicht mal nachdenken, aber damals faszinierte es mich. Trotz oder obwohl ich eigentlich fast immer verlor. Meine Freunde waren halt besser in Schach, Mühle, Abalone und auch Pyramis. Aber es ging nur ums Spielen und die guten Erinnerungen.

Reinhard Staupe
Oliver Freudenreich
Amigo, 2003
2-4 Familienspieler mit Kindern
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/14437
Ein klassischer Mechanismus für ältere Kinder und jüngere Erwachsene, wird hier in ein richtiges Kinderspiel gepackt. Und das soll funktionieren? In meinen Augen tut es das nicht, weil die Kinder die einfachen Sachen als unlogische Regeln begreifen.
Im Kern geht es ums schätzen. Decke ich noch eine Karte auf und bekomme dadurch mehr, oder muss ich riskieren, was doppelt aufzudecken und daher leer auszugehen. Soweit nichts neues, nun ist es aber so, dass wir in den drei Nahrungsgruppen versuchen genau sechs Stück zu sammeln um dafür einen Pokal zu erhalten. Sind es aber zu viele muss man alle abgeben ohne einen Pokal zu erhalten.
An der Stelle fragen die ersten Kinder wieso? Gerade mit Kindern denen man sonst alles sinnvoll erklären kann reicht es nicht zu sagen, weil es halt in der Regel steht. Hier stößt sich jedes Kind dran und auch ich als Erwachsener ärgere mich. Die Idee ist eigentlich einfach und auch als Kinderspiel brauchbar aber ich greife dann eher zu Kleine Fische.

Reiner Knizia
???
Schmidt, 2001
2-5 Familienspieler mit Kindern
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/12181
Schmidt Spiele hat eine ganze Weile lang Spiele mit den Charakteren der Sendung mit der Maus gemacht. Und wie das bei solchen Spielen üblich gibt es zwei Sorten von solchen Lizenzen. Die, die das Thema einfangen und unspielbar schlecht sind und die, die das Thema ignorieren und einfach nur eingemalert sind und auch ohne die Lizenz funktionieren würden. Natürlich gibt es auch Spiele, welche weder das Thema haben noch spielbar sind, aber beides gibt es einfach zu selten.
Nun stört es nicht wirklich, da wir hier ein sehr spielbares Spiel haben. Die Spieler müssen wieder etwas ihr Gedächtnis trainieren und sich bis zu sieben Sachen merken. Wer dran ist deckt ein Plättchen auf und schon müsse alle möglichst schnell sagen, welches Bild auf dem verdeckten Plättchen derselben Gruppe liegt. Sieben Sachen merken kann doch nicht so schwer sein, oder?
Natürlich sind geübte Memory-Meister im Vorteil. Aber hier würde ich immer mit einer Variante spielen, damit nicht immer die schnellsten alleine alles bekommen. Die Spieler decken reihum ein Plättchen auf und können alleine nennen, was wohl genannt werden muss. Und wer es nicht weiß, gibt ab an den nächsten. Aber in beiden Versionen ist es ein schönes Spiel.

Mit einem hatte ich meine Probleme letzte Woche: Womit die Nominierungsliste füllen, wenn mir die Gewinner eh klar sind? Nachdem die Listen nun raus sind bin ich mir nicht sicher, ob die Jury nicht dasselbe Problem hat. Das ist jetzt manchem Titel gegenüber ungerecht und nicht meine Absicht, aber gehen wir die Listen in Ruhe durch.
Die Blaue Ecke
Von den drei nominierten Spielen kenne ich nur Schnappt Hubi!. Es ist ein solides Spiel, welches meinen Kinder Spaß macht. Die anderen beiden Spiele müsste ich erst testen und das am besten mit meinen Kindern bevor ich es beurteilen kann. Was ich aber beurteilen kann, keines der drei Spiele hat einen Magnet-Mechanismus. Sehr Angenehm.
Die Graue Ecke
Village ist auf der Liste wie zu erwarten. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es am Ende nicht gewinnt. Da die Jury sich aber selber noch Zeit lässt diese Entscheidung zu treffen, kann ich die Zeit finden die anderen beiden Spiele auch nochmal auf den Tisch zu legen.
Targi habe ich noch gar nicht gespielt, ich kann daher gar nicht einschätzen, wie gut es ist, muss ich nun nachholen. Ich überlege aber auch, wann ich das letzte Mal ein reines 2-Personenspiel auf einer Nominierungsliste gesehen habe. Ein Blick ins Archiv bringt das geniale Jambo von Rüdiger Dorn im Jahre 2005 zum Vorschein. Targi ist auch noch die Erstveröffentlichung des Autors, was ihn umso stolzer machen dürfte.
K2 hingegen war nicht ganz mein Fall. Es ist ein solides Spiel und die Atmosphäre mit dem immer schwerer werdenden Anstieg wird gut für die Spieler transportiert. Doch manchmal wirkt es fast wie unmöglich. Ein schönes Spiel, nur nicht eins meiner Lieblinge.
Angenehm auch das die Jury die Spiele auf der Empfehlungsliste nun unterteilt hat. Und da finden wir auch Freitag, meinen Wunschkandidaten für diese Liste, welche mit gerade mal drei Spielen auch sehr kurz ist. Ora et Labora hat einen Spot gegriffen und damit Trajan außen vorgelassen. Hawaii schließlich ist ein Spiel, was viele mögen. Mein Fall war es nicht, aber ich kann sehen wie das Spiel selbst mit vielen Partien sich gut entwickelt und es gibt ja wirklich viele die das Spiel sogar nominiert gesehen hatten. Auch hier eine Erstveröffentlichung von dem Autor.
Die Rote Ecke
Kingdom Builder ist hier verdient nominiert und es sollte auch gewinnen. Letzte Woche haben wir es wieder den ganzen Abend gespielt. Erst mit fünf Spielern, dann mit vier und am Ende sogar nur zu zweit. Es funktioniert mit jeder Spielerzahl und die Spiele sind immer anders. Es ist einfach so gut. Eine Runde reicht nicht um die Tiefe des Spiels kennenzulernen und doch ist es einfach erklärt und schnell begriffen.
Vegas steht als Vertreter für alle Würfelspiele die in diesem Jahr geradezu Flutmäßig auf den Plan getragen wurden. In meinen Augen aber das schwächste Spiel dieser Vertreterzunft. Im Gegensatz zu fast allen anderen Würfelspielen baut es aber nicht als Anhang auf einer vorhandenen Marke auf. Das was also Leben einhaucht und gerade dadurch sich gut verkauft ist vermutlich eher ein Hemmnis um auf einer Jury-Liste zu landen. Ich würde vermutlich aber auch eher den Verkauf wählen. Es bleibt aber ein Würfelspiel, welches in meinen Augen echt langweilig ist. Aber schlimmer wäre es, es gebe kein Spiel, das ich schlecht fände.
Eselsbrücke darf an dieser Stelle schließlich als der Überrascher gelten. Dabei ist die Änderung der Wertung tatsächlich das Genialste an diesem Spiel, was es auch verdient auf diese Liste bringt. Eselsbrücke war schon vorher ein gutes Spiel, welches Spaß machte und mir mehr zusagte als Memo Crime. Aber die Änderung sorgte für ein Spiel, welches auch nicht mehr ungerecht wirkt. Ein insgesamt Klasse Spiel, welches auch den Preis verdient hätte.
Die vierte Ecke
Das wichtigste ist aber wohl eindeutig der Kommentar zur Liste von Tom Felber. Die Kritik an den Verlagen, lieber etwas mehr Zeit in die Spiele zu investieren statt schnell auf den Markt zu gehen und im Notfall eine überarbeitete zweite Auflage zu machen ist berechtigt. In der Softwareindustrie nannte man dies schon vor 15 Jahren Bananenware. Die Ware reift beim Kunden. Das kann nicht das Ziel der Brettspielindustrie sein. Dies so deutlich anzusprechen verdient das größte Lob an die Jury.
Allerdings sollte die Art wie es geschehen ist eine Ausnahme sein, denn sonst hoffen alle mit ihrer zweiten Version noch auf die Liste zu rutschen. Das die Jury so was im Auge hat zeigt, hier wird nicht nur kurzfristig gedacht, sondern sie haben alle ihre Augen und Ohren und Fühler im Markt. Und ich sehe lieber hier einen Schlussstrich als zu warten bis wir Zustände bekommen wie sie Fantasy Flight Games mit Villen des Wahnsinns aufgestellt hat. Ein Spiel das mehr Errata und Austauschmaterial produziert hat als ein je sauber redaktionell bearbeitetes Spiel haben dürfte. Für mich kein Glanzlicht der Szene.
Unterm Strich war ich mir letzte Woche nur bei zwei Spielen sicher. Beide Spieler sind auf ihren entsprechenden Listen und beide Spieler halte ich für die Gewinner, welche am 9. Juli bekannt gegeben werden. Und obwohl mir einige Spiele einfallen, welche noch auf eine der Listen als Empfehlung stehen könnten, glaube ich, dass kein Spiel ungerechtfertigt drauf steht. Die Jury macht sehr solide Arbeit und sie hat einen Akzent gesetzt und damit wieder ein Thema gegeben. Das alles stimmt mich positiv.
Und noch etwas stimmt mich sehr positiv. Viele Autoren sind inzwischen auch im Internet unterwegs und mitzubekommen wie diese sich über ihre Nominierung oder Empfehlung freuen ist auch klasse. Hier werden Menschen glücklich gemacht und zwar für ihre Leistungen. Freude die man ehrlich spürt. An dieser Stelle nochmal einen Dicken Glückwunsch an alle Autoren!
Hartmut Kommerell
Jürgen Martens
Adlung, 1999
2 Vielspieler
http://luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/10065
Und hier wieder ein Nicht-Stichspiel. Adlung weiß mit schönen Themen für seine spiele aufzukommen. Obwohl das Thema hier eher unwichtig ist, so ist doch die Spielidee sehr angenehm umgesetzt. Das einzig störende ist der mathematische Anteil.
Und das subtrahieren ist hier allgegenwärtig. Im besten Fall hat man eine hohe Karte die halt nur etwas niedriger ist als die vom Gegner. Am Anfang sieht es noch sehr zufällig für die Spieler aus aber dann wird angelegt. Es muss so gelegt werden, dass die Karte in der Mitte die höchste bleibt und nach außen müssen sie kleiner werden. Mit Farben kann noch taktiert werden, da gleiche Farben verändern wer die Punkte bekommt.
Zum Glück liegen dem Spiel ein paar zerschnittene Karten bei die immer anzeigen wer gerade die Punkte hat. Dadurch wird ein Kräftemessen visuell, Die Spieler sehen, wer wie viele Punkte hat und können eher abschätzen, was zu tun ist.
Für mich ist Bambuti ein gelungenes Kartenspiel, welches mit wenig Material viel von den Spielern fordert. Das überschaubare Glück die richtigen Karten zu ziehen, ist dabei gar nicht so entscheidend. Ein echt starkes taktisches Spiel und eine Empfehlung.
